IRS Aktuellt no 31, April 2001

NEHOM Quartierskonzepte im Vergleich
In benachteiligten Stadtquartieren europäischer Großstädte und Stadtregionen werden seit etwa 20 Jahren Veränderungen in der sozialräumlichen Struktur deutlich, die mit sozialer Polarisierung einhergehen. Diesem Prozess Einhalt zu gebieten, zählt gegenwärtig zu den größten Herausforderungen für Wohnungspolitik und Stadtentwicklung. Im Rahmen der Leitaktion “Die Stadt von morgen und das kulturelle Erbe” entwickeln Forschungsprojekte der EU Lösungsansätze für diese Problematik. Seit Beginn des Jahres beteiligt sich das IRS im neuen Forschungsbereich C ’Stadtentwicklung: Siedlungsstrukturen und Milieubildungen im Kontext von Transformationsprozessen’ mit dem Projekt NEHOM (Neighbourhood Housing Models) an diesem Programm. Im IRS entstehen dank inhaltlicher Überschneidungen Synergien zu den Projekten SUREURO und ’Soziale Stadt’ (Cottbus).

NEHOM - ein Projekt gegen soziale Exclusion. Von der Benachteiligung durch die Gesellschaft bedroht: Kinder aus der Budapester Siedlung 'Havanna'NEHOM, getragen von Universitäten und Forschungsinstituten, analysiert in acht europäischen Ländern (Deutschland, Estland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Norwegen, Schweden, Ungarn) innovative Konzepte und Initiativen für eine nachhaltige Entwicklung benachteiligter Quartiere und formuliert Empfehlungen für die europäische Wohnungspolitik sowie für die Praxis des Quartiersmanagements. Die Problematik der transnationalen Übertragbarkeit in die sozialräumlichen Szenarien anderer europäischer Länder stellt einen weiteren Fokus der Forschung dar. Ausgegangen wird von der These, dass die Arbeit an der Stadt auf Quartiersebene der Prävention und der Aufhebung sozialer Exklusion dienen könne. Neben ’Top-down’-Initiativen der Staaten und Kommunen, wie der ’Sozialen Stadt’ in Deutschland oder dem ’New Deal for the Communities’ in Großbritannien, werden in den Forschungsprozess auch bürgerschaftliche Initiativen aufgenommen, da sie als wichtiges ’Soziales Kapital’ für die Entwicklung angesehen werden. Das Projekt befasst sich sowohl mit Projekten in benachteiligten Quartieren in der EU als auch mit mittel- und osteuropäischen Städten, die zunehmend mit sozialräumlicher Polarisierung konfrontiert sind. Dadurch eröffnen sich interessante Möglichkeiten zum Erfahrungstransfer: Denn manches, was in Westeuropa zur Routine der sozialen Stadtentwicklung wurde, ist im örtlichen Kontext der mittel- und osteuropäischen Verhältnisse noch hochgradig innovativ. Zum anderen scheinen jedoch in Mittel- und Osteuropa gerade vor dem Hintergrund fehlender Erfahrungen z.T. völlig neue Wege der Arbeit in der Nachbarschaft zu entstehen, die auch für den Westen Europas von Interesse sein können.

Insgesamt werden 30 Fallstudien zur Förderung selbsttragender sozialer Netzwerke in städtischen Quartieren untersucht, die in der Regel auf  ressortübergreifendem Arbeiten und der Integration baulicher, sozialer, kultureller und insbesondere wirtschaftlicher Elemente basieren. Ergebnisse werden ab Mai 2001 unter www.nhh.no/geo/NEHOM veröffentlicht.

Die deutschen Fallstudien - Berlin und Nordrhein-Westfalen
Bereits in den 1980er Jahren hatte Berlin mit der behutsamen Stadterneuerung eine Vorreiterrolle  in der bestandsorientierten Stadtentwicklung übernommen. In Berlin wird das Programm “Soziale Stadt”, das 1996 als Reaktion auf die sozialräumlichen Segregationsprozesse in deutschen Städten ins Leben gerufen wurde, seit 1999 mit dem Instrument des “Quartiersmanagements” (QM) umgesetzt, um den stark fortschreitenden sozialen Entmischungstendenzen und dem wirtschaftlichen Verfall entgegenzuwirken.

NEHOM beschäftigt sich mit den Quartieren Wedding/Soldiner Straße, Marzahn Nord  und Schöneberg Nord  mit der Wohnanlage “Wohnen am Kleistpark”, besser bekannt als “Sozialpalast”. Untersucht werden die unterschiedlichen Trägerstrukturen und ihre Wirkungen: Der ’integrierte soziale Konzern’ als städtischer Beauftragter im Wedding (www.zukunftbauen.de), die Plattform Marzahn (www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/quartiersmanagement/de/buelowstrasse) als Initiator von Bürgerbeteiligung in Planungsprozessen sowie die Kooperation von Beratung, Bezirk und örtlicher Bürgerschaft im ’Sozialpalast’ (www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/quartiersmanagement/de/marzahn). Eine weitere Fallstudie in Nordrhein-Westfalen, das “Berliner Viertel” in Monheim, bearbeitet das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen (ILS) in Dortmund. Gegenstand der Analyse sind ein Konzept für Wohnhilfen junger Einwohner sowie ein innovatives Abfallkonzept.

redbullet.gif (826 Byte)    Christiane Droste, Arild Holt-Jensen (Universität Bergen, Norwegen, Projektkoordinator) und Thomas Knorr-Siedow

 

IRS Aktuellt 31 – April 2001